Der Premierminister Englands, David Cameron, warnte die Euro-Zone vor einer ökonomischen Krise in einem Interview mit der britischen Wirtschaftszeitung “Financial Times” am Montag. Das Problem in Europa, so meinte er, lasse sich nur noch mit einem “big bazooka approach”, also mit dem Einsatz einer großen Panzerfaust, lösen. Ansonsten drohe den Euro-Ländern in wenigen Wochen eine wirtschaftliche Katastrophe.
Cameron forderte vor allem Deutschland und Frankreich auf ihre Differenzen beizulegen. Beide Länder sollten die kollektive Verantwortung für die Beseitigung der Krise übernehmen. Beide Länder sollten im Rahmen eines Fünf-Punktes Plans zur Lösung der Krise gemeinsame Schritte unternehmen. Die momentane Unsicherheit habe nämlich eine erschreckende Wirkung auf die Weltwirtschaft.
An Angela Merkel gerichtet, gab der Premierminister den Rat kompromisslos das Richtige zu tun, ohne Angst vor dem Verlust von Wählerstimmen. Der bisherige Ansatz “ein bisschen zu wenig ein bisschen zu spät zu tun” sei jetzt nicht mehr angebracht. Es gehe darum dieser Krise rücksichtslos zu lösen, denn das Ziel sei ja eine funktionierende Euro-Zone. Den Politikern wird in einem Leitartikel der “Financial Times” vorgeworfen, sie seien nicht in der Lage der Bevölkerung die Situation richtig zu erklären, vor allem in Deutschland.
Im Artikel der Zeitung wurden der Euro-Zone drei Schritte zur Lösung der Krise nahegelegt. Zunächst sollte Griechenland unterstützt werden, außerdem soll der Euro-Rettungsschirm (EFSF =European Financial Stability Fund oder Europäische Finanzstabilisierungsfazilität ) aufgestockt werden und schließlich müssten Banken über genügend Kapital verfügen.
Großbritannien möchte bei der Lösung des Konflikts anschieben, erwarte aber von den Euro-Ländern, dass sie die entscheidenden Schritte tun. Da 40 Prozent von britischen Exporten in die Euro-Länder gehen, liegt den Briten sehr viel an der Stabilität in den Euroländern.
Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatten sich erst am Sonntag in Berlin zu einem Gipfel getroffen, die Entscheidungen dieser Sitzung waren aber enttäuschend. Bis zum Ende des Monats möchten sie einen Plan zur Lösung der Euro-Krise vorlegen. Die Ergebnisse sollen sowohl Lösungen für die Schuldenkrise in Griechenland, wie auch Vorschläge zur Stabilisierung des Euros bieten. Außerdem soll es eine Stütze geben für Banken, die in Gefahr stehen, in den Sog der Krise gezogen zu werden.
“Die Zeit ist knapp, die Lage prekär.” Diese Worte Camerons deuten auf die Dringlichkeit der Lage hin und zeigen die Notwendigkeit nun stärkere Mittel in der Bewältigung der Krise einzusetzen, um der Gefahr eines wirtschaftlichen Desasters oder gar der Auflösung der Währungsunion entgegenzutreten.